
Die innere Ungeduld:
„Oh bitte, komm zum Punkt.
Jetzt?!
Ah, ich will meinen Gedanken nicht verlieren!
Der ist gaaanz wichtig!
Da! Eine Redepause.
Jetzt könnte ich doch!“
Schnappgeatmet – und los!
Kennste?
Da spricht jemand zu uns und wir plappern dazwischen, weil uns ein ganz wichtiger Gedanke dazu einfällt, den wir unbedingt jetzt sofort mitteilen wollen.
Oder.
Da berichtet jemand was und augenblicklich kommentieren wir, dass wir das Gesagte aufgrund irgendeiner Erfahrung „kennen“. Dann sind wir im Kopf schon gar nicht mehr bei der anderen Person, sondern bei unserer ganz eigenen Geschichte, die bei nächster Gelegenheit erzählt werden will.
Oder.
Da schüttet jemand sein Herz aus. Wir wollen auf der Stelle helfen und einen Ratschlag geben, weil wir es ja gut meinen. Dann kann es aber sein, dass wir nur noch mit einem Ohr bei unserem Gegenüber sind, mit dem anderen aber bei einer unserer inneren Stimmen, die uns bereits eine mögliche Lösung für das Problem konstruiert. Und die will dann auch bitte ganz bald laut vorgetragen werden.
Und wie geht es unserem Gegenüber damit? Hat es etwas bemerkt?
Hm.
Mich ärgert es, wenn ich diese Hektik bei mir selbst in Gesprächen beobachte.
Dann denke ich mir im Nachhinein: ,,Ach, Lisa, du weißt doch, wie das geht. Ein bisschen mehr Langsamkeit und Aufmerksamkeit hätte beiden Seiten gut getan.“
Naja, manchmal ist es, wie es ist.
Alltag eben und dazu noch sehr menschlich.
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Ich wünsche mir, dass es ab und zu etwas stressfreier abläuft – mehr stressfreies Kommunizieren üben.
Dazu gehört eben nicht nur Reden und Plappern, sondern auch, einfach mal den Mund zu halten.
Weniger Wortgefechte, dafür mehr aufmerksames und geduldiges Zuhören.
Und ich sage „Üben“, denn das bedeutet Anstrengung.
Das heißt, sich das eigene Gesprächsverhalten bewusst zu machen, sich zurückzunehmen,
sich voll und ganz auf das Gegenüber einzulassen,
das eigene Ego zum Schweigen zu bringen,
Pausen zu ertragen
und Gehörtes nachklingen zu lassen.
Es ändert was.
Schon probiert?
Autorin: Lisa Becke