Farbkasten.

„Die ist immer so still und komisch.“ (…plärrte es aus der einen Ecke im Klassenzimmer.)

,,Tja, Du wirst wohl immer irgendwo anecken und stören!“ (… sagte die Tutorin zur Zeugnisübergabe beim Abi)

„So bist Du eben. Das liegt in unserer Familie.“ (… sagte die Mutter zur Tochter.)

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*Zack (!)* einen Stempel aufgedrückt, dessen Farbe nie so richtig abgehen will.

*Dahin (!)* in die Ecke gestellt, schön eng, damit es ja kein Entkommen gibt.

*Zisch (!)* tief und fest eingeprägt bis unter die Haut.

*Mantra (!) …lala* für immer im Ohr.

UND

*Ratsch (!)* die eigenen Gardinen zugezogenen, um bloß nicht zu weit dahinter zu schauen.

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Wenn Menschen auf einzelne zugeschriebene (!) „Fehler“, Charaktereigenschaften oder Verhaltensweisen reduziert werden, dann kommt da was auf in mir:

„Was weißt Du denn schon über diesen Menschen?!“

ODER

„Hast Du gerade wirklich ein Problem mit diesem Menschen oder doch eher mit dir selbst?!“

ODER

„Gefällt dir das gerade nicht, weil es nicht in deine Welt passt?“

ODER

„Unter welchen Umständen (verdammt!) wäre denn vielleicht ein „Richtig“ oder „Besser“ möglich gewesen?!“

(Manchmal darf und soll etwas davon raus. Manchmal auch nicht, dank anstrengender Impulskontrolle)

UND

“Fuck! Wie oft erwischst Du dich selbst beim Pauschalisieren und Verabsolutieren, obwohl es dich andersherum selbst hin und wieder trifft?!“

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Ich glaube, es lohnt sich, öfter mal einen anderen Farbkasten herauszuholen und dem Bild, das wir uns bisher von anderen Menschen und von uns selbst gemacht haben, neue Töne und Nuancen zu schenken.
Damit fängt es an und geht damit weiter, wie wir über und miteinander reden.

Denn alles andere hemmt Entwicklung,
verkleinert den Horizont,
verhindert Mut und
hinterlässt auch Verletzungen.

Autorin: Lisa Becke